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Der globale Charakter der Kultur führt nicht nur zur Abstraktion, Intransparenz und beschleunigten Zirkulation globaler Zeichensysteme, sondern intensiviert auch auf lokaler Ebene die rasante Neuordnung der konkreten kulturellen Ausdrucksformen der Menschen. Individuen wie auch Gesellschaften als Ganzes stehen der Anforderung gegenüber, ihre Identität innerhalb des stetigen Informationszuwachses sowie der Komplexität der Gegenwart zu generieren.

Die Öffnung der Grenze in Deutschland mit dem Jahr 1989 gilt als Beispiel für diese Entwicklung, die mit der Herausforderung verbunden ist, das lokale Wissensarchiv in das globale Wissen zu integrieren. Das Kunstarchiv Beeskow beherbergt einen lebendigen Träger dieser Erfahrung: Im Auftrag des letzten Kulturministeriums der DDR sowie der Treuhandanstalt wurde der  Bestand an Kunstwerken aus öffentlichen Gebäuden sowie den ehemaligen Parteien und Massenorganisationen zusammengetragen. Sein Archivkorpus umfasst die Spannweite von konformer bis die offizielle DDR-Kulturpolitik unterlaufende Kunst.

Das Kunstarchiv Beeskow befindet sich in einer Situation der Peripherie, in der nach einer Phase der kulturellen Zersetzung die Informationserweiterung beginnt. Diese im Vergleich zum kulturellen Zentrum noch lockere Strukturierung gewährleistet derzeit eine hohe kulturelle Dynamik. Gegenwärtig steht das Archiv am Anfang einer Neustrukturierung und Neupositionierung innerhalb des europäischen kulturellen Feldes. Die Gründe dafür sind zum einen der geplante Archivneubau, der gerade vor Ort entstehende Austausch zwischen deutscher und polnischer Kunst und zum anderen die beginnende bildwissenschaftliche Interpretation des Beeskower Archivkorpus.

Das Ziel der Sommerschule ist, am konkreten Beispiel Beeskow die neuen Herausforderungen an die Funktion des Archivs in der globalen Kultur sowie die damit einhergehende Diskrepanz zwischen beschleunigter Informationserweiterung und kultureller Zersetzung anhand der drei Themenfelder Verräumlichung, Kulturwissenschaft und Kunst zu diskutieren und konkrete Lösungsansätze zu entwickeln.

Es ist kein Zufall, dass gerade die Auseinandersetzung mit dem Archiv und das Archivieren für zeitgenössische KünstlerInnen an Bedeutung gewonnen haben. Als Generator von Weltmodellen nicht nur der Gegenwart, sondern vor allem der Zukunft ist auch die künstlerische Praxis mit einer zunehmenden Komplexität des Diesseits und der Diskrepanz zwischen rasantem Informationswachstum und kultureller Destruktion konfrontiert. Welche Aufschlüsse über das Archiv in der globalen Kultur geben daher konkrete künstlerische Arbeiten?

Neben den Diskussionen in den erwähnten Themenfeldern bieten der interdisziplinäre Austausch zwischen diesen sowie der Austausch mit ExpertInnen einen wissenschaftlichen Erkenntnisgewinn.

Zielgruppe: Die Sommerschule richtet sich an junge WissenschaftlerInnen und KünstlerInnen, die sich vertieft mit dem kulturellen Archiv auseinandersetzen bzw. an den Schnittstellen zwischen Kunst und Archiv arbeiten.

The Art Archive Beeskow in the Context of  a Globalized Culture

Spatialization – Cultural Sciences – The Arts

July 9 to July 11, 2010

Kunstarchiv Beeskow / Castle of Beeskow

The global character of culture intensifies, on a local level, the rapid reformation of the specific cultural forms of expression of human beings. Globalization of culture leads to abstraction, ambiguity and an accelerated circulation of the global system of symbols. Increasing availability of information and the present’s complexity challenge individuals as well as societies to find their identity.

The opening of Germany’s borders in 1989 exemplifies this development and the need to integrate the local archive into a global archive of knowledge. The Kunstarchiv Beeskow is testimony to this integration: It is in this art archive where in 1990 the last Ministry of Culture of the German Democratic Republic (GDR) and the Treuhandanstalt collected art pieces that had formerly been owned by the GDR’s parties and public organizations. The archive holds artworks ranging from conformist art to the forms of art that demonstrate the destabilization of the GDR’s official cultural policy.

Nowadays, after a phase of cultural decline, the Kunstarchiv Beeskow is finding itself in a peripheral situation, in which, the expansion of information has just begun. The Kunstarchiv Beeskow is dynamic in its development as compared to the typically highly structured cultural centers. At this stage, the archive is restructuring and repositioning itself within the European cultural field. This is not only due to the reconstruction of the archive’s buildings or the German-Polish art exchange that is now taking place in Beeskow, it can also be seen as a consequence of the recently initiated pictorial- and image-scientific interpretation of the archive’s corpus.

The Summer School will discuss the new challenges for the function of the archive in the global culture and the discrepancy between an accelerated gain of information and cultural decline. The discussion will focus on Spatialization, Cultural Sciences and the Arts trying to concretely approach solutions.

The increased significance of the theoretical and practical engagement of the archive for contemporary artists is not a coincidence. As a generator of world models not only of the present, but especially of the future, artistic practice, too, is facing the world’s growing complexity and the discrepancy between the accelerated gain of information and cultural decline. Which kind of assumptions about the archive in the context of global culture can therefore be educed from artistic works?

Along with the discussions concerning the above-mentioned fields the interdisciplinary nature of these fields as well as the exchange with experts shall offer scientific insights and knowledge. The Summer School will be addressing young scientists and artists who are intensively engaging with the cultural archive and/or working at the intersections between the arts and the archive.

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